fazit der tour

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Allgemein

Toronto - Las Vegas / Nevada
Toronto - Newark / New Jersey
Dublin - Europa diverse Ziele - Deutschland

 Nun sind wir wieder in Deutschland. Lasse alles noch einmal Revue passieren.

Ja, Fred, Eva! Im Winter im Nordosten Amerikas zu starten ist nicht unbedingt zu empfehlen. Im Sommer in der Wüste Nevadas anzukommen aber auch nicht. Ideal wäre: Im Winter in Nevada oder Kalifornien starten und nach Nordosten fahren. Dort im Sommer eintreffen.

Ungeachtet dessen, die Tour war ein Erlebnis, schwer zu beschreiben die Eindrücke und Empfindungen. Die Selbstüberwindung und das Glücksgefühl wenn eine harte Etappe geschafft war. Die sich bietenden Einblicke in Land und Leute, Berge, Wüste, riesige Städte und winzige Ortschaften - selbst die Bilder können das nur annähernd zeigen. Auch den Dauerregen in Europa, er begleitete mich seit Dublin, zeigen die Bilder nur andeutungsweise.

Jede erlebte Tour ist, selbst einfach ausgestattet, besser als nur davon zu träumen und im Sessel sitzen zu bleiben. Also Leute, Sachen packen und wenn eine Radreise euer Traum ist, dann lebt euren Traum und träumt nicht euer Leben!

Technik

Das Fahrrad hat sich bestens bewährt. Es ist nicht ursprünglich für diesen Zweck gebaut worden, aber mit ein paar kleinen Änderungen ein hervorragendes Langstreckenrad gewesen. Ich würde wieder mit Scheibenbremsen (hydraulisch) und einem Alu-Rahmen (bester Qualität) starten. Rostende Schrauben am Lenkervorbau sollten nicht vorkommen. Ein geeignetes Gepäckträgersystem aus CrMo-Stahl passend für diesen Rahmen und Scheibenbremsen fehlt noch, ist Fa. Tubus interessiert einen zu bauen? Trotzdem, der von mir verwendet Alu-Träger hat gehalten! Hier hatte ich mit dem ersten Bruch gerechnet. Und ich habe diesen nicht geschont. Eine Tasche mit Felix, die andere letztlich für Proviant kamen bis zu 18 Kg zusammen. Das auf teilweise harten und strapaziösen Etappen war nicht materialschonend. Aber das Rad hatte es in jedem Fall leichter als viele Fernreiseräder mit 5 und mehr vollen Taschen oder dieses Rad hier. Schweres Beispiel

Der Anhänger hat sich auch sehr gut gehalten. Trotzdem, es genügt nicht sich auf seinen Erfolgen der letzten Jahre auszuruhen. Einflüsse auf das Rad sind deutlich spürbar. Sobald man schneller als ca. 55 KM/H fährt schaukelt er sich auf, das Rad ist dann nicht mehr beherrschbar. Klar, ist selten! Insgesamt fünf Plattfüsse gehen in Ordnung. Der Schwerpunkt liegt über der Achse, sehr ungünstig. Dadurch wird er kippelig. Das 16 " Rad ist zu klein, rollt über Unebenheiten schlecht rüber. Das Ankuppeln geht mühselig, besonders wenn Dreck in das Loch für den Sicherungsstift gerät. Die Tasche von Ortlieb ist jedoch das Letzte: Wasserdicht? Ja! Aber zwei Verschlüsse sind da angebracht, wo es am dreckigsten und am schwersten zugänglich ist. Ab Minus 15 Grad ist das Material so steif das es kaum zu schießen ist. Mal schnell etwas raus nehmen? Vergesst es! Der Lack ist erstaunlich fest, so darf er sich trotz der langen Tour eines guten Aussehens erfreuen. Nur ein paar kleine, eher kosmetische Kratzer. Der Schnellspanner am Anhänger ist sehr einfach, rostet und ist entschieden zu schwer.

Tacho, Sigma BC 1200 RDS,  ein Ärgernis ohne Happy End! Diesen habe ich von Deutschland mit nach Kanada gebracht. Sehr gute Anzeige, einfache Bedienung, exakt und in mehreren Sprachen sowie Meilen oder Kilometern einstellbar. Aber nach ca. 500 Km versagte er. Inmitten einer Kanadatour. Einen Neuen gekauft, dieser versagte nach ca. 1.200 Km. Nur die Uhr lief stets präzise weiter.Anruf bei Sigma Deutschland und Antwort: Ich soll einschicken, nach Deutschland oder USA -  wir kümmern uns. Ich sandte nach USA und erhielt 3 Wochen später beide Sigma`s mit dem Hinweis sie laufen wieder zurück . Brauchen wie ein PC ab und an einen Restart, dazu nehme man die Batterie aus dem RDS Sender und setze diese wieder ein. Das ist alles. Als Trost war ein dritter Tacho nebst RDS gratis eingepackt. Nun habe ich drei davon für ein Rad - Toll. Einer der läuft wäre genug.
Dazu muss man wissen, das Batteriefach zu öffnen bedarf eines speziellen Uhrmacherschraubendrehers um die vier Minischrauben zu lösen. Viel Spass dabei wenn es kalt ist, regnet oder am Straßenrand. Fällt eine davon runter viel Erfolg beim suchen. Das es besser geht hat Sigma am Tacho bewiesen, gleiche Batterie und zum Öffnen bedarf es nur einer Münze! PS: Seit nunmehr über 3.500 Km läuft der Tacho.

Nachtrag:
Schade, es hat nichts genutzt. Er rührt sich nun seit ca. New York (State) gar nicht mehr. Ein Scheißding! Sigma - nie wieder. Aber als Uhr ist er ok, denn die läuft immer noch.

Zelt The North Face "Starlight" - Hier gibt es einfach nichts zu bemängeln. Schnell auf- und abgebaut. Sogar in stockfinsterer Nacht. Gestängeführung leichtgängig und blind zu finden. Regen- und sturmfest und dazu sehr leicht für ein 4-Jahreszeitenzelt. Möchte kein anderes haben. Als Gebrauchtes in Ebäh ersteigert und leider ein paar kleine Brandlöcher gratis dazubekommen. Die sollte ich mal reparieren...

Chinook Schlafsack. Die Überraschung. Bis minus 15 Grad ohne Probleme. Volumen und Gewicht ok. Ein Mittelding, teils  Daune und teils synthetische Faser Made by Dupont. Hätte ich diesem preiswerten Teil nie zugetraut. Schnell getrocknet, Reißverschluss ohne Probleme, Wärmekragen, abgedeckte Reißverschluss und hohes Fußteil geben Komfort. Eine Tasche innen für das ganz wichtige wie Taschenlampe, Pass, Kondome oder MP3-Player.

Ortlieb Packtaschen / Panniers. Die Enttäuschung! Ortlieb ist wohl der Marktführer und sein Ruf eilt der Firma voraus. Und (fast) jeder schwört auf diese Taschen. Ich nutze Ortlieb seit vielen Jahren und sage: Die alten Taschen aus der Light Serie, das waren die im gewöhnungsbedürftigen lila, waren weitaus besser. Leichter, absolut reißfest, die Aufhängung passte an fast alle Gepäckträger und die Sicherung am Taschenboden war ein Stahlhaken am Gummiband. Einfach und unverwüstlich. Nun sind die Taschen noch überteuerter, schwerer, nicht mehr so reißfest und die Taschenhalterung ist aufwendiger aber nicht besser geworden. Dazu neigen diese nun zum klappern. Fahrrad einmal umgefallen und gleich einer der je zwei Aufhängungen abgebrochen. Ersatz? Nirgends zu bekommen. Ortlieb, ihr habt eure Hausaufgaben nicht gemacht! Das es besser geht habt ihr in der Vergangenheit gezeigt. Meine nächsten Taschen? VauDee!

Schadensbilanz

Speichenbrüche: einmal, aber gleich 2 Stück. Ursache waren gelockerte Speichen am Hinterrad, rechte Seite durch (wahrscheinlich) Anhängereinfluss. Danach alle ca. 150 Km Speichen kontrolliert.

Plattfuss: sechsmal am Anhänger (einmal auf dem Weg zum Flughafen Las Vegas! Bei knapper Zeit) und fünfmal am Hinterrad. Die in den USA durch Draht von aufgelösten LKW-Reifen auf der Interstate. Dagegen ist auch der Pannenschutz meiner Reifen wehrlos.

Kamera und Linsen ließ ich einmal richtig reinigen. Der dunkle Fleck in manchen Bildern war ein Staubkorn auf dem Sensor. Unterwegs wollte ich da nicht ran. Hitze, Kälte und Staub oder Erschütterungen - alles klaglos weggesteckt. Die Canon ist super, wenn auch etwas schwer. Besonderes Lob verdienen die Akkus, hatte zwei der Originalen dabei. Einfach unverwüstlich mit unglaublichem Durchhaltevermögen. Eine Madenschraube hatte sich am 50 mm Objektiv gelöst und machte Geräusche beim Ansetzen. Lappalie wenn man drauf kommt. Nach langem Suchen nach der Ursache festgezogen - fertig.

Dem Notebook hatte ich viel zugemutet, war sicher das empfindlichste Teil meiner Ausrüstung. Nichts. Keine Probleme. Es war in einer (selbstgebauten) mit Schaumstoff und Neopren gepolsterten Tasche und dann zusätzlich in der abgebildeten Armeetasche untergebracht. Das hielt. Und sah billig aus, lockte keine Diebe an.

Sonst keine großen Schäden, das Rad erhielt regelmäßig einen Service! Schrauben nachgezogen, Kette, Ritzel und Kettenblätter gereinigt und gefettet sowie einmal auf etwa halber Strecke die Kette gewechselt um die Ritzel zu schonen. Nur minimale Kratzer hat es davongetragen, anders der Anhänger.

Land und Leute in den USA

Es war absolut einfach, oftmals unvermeidlich mit den Amis ins Gespräch zu kommen. Nie gab es eine "brenzlige" Situation oder gar Aggressivität. Sehr hilfsbereit sind sie. Hatte vor der Reise alle möglichen Befürchtungen, nichts davon trat ein. Sogar wenn ich regelwidrig auf der Interstate unterwegs war, die linke Straßenseite benutze wurde nicht gehupt oder gar die Polizei gerufen - undenkbar in Deutschland - es wurde gelegentlich gewunken, auf Raststätten nach dem üblichen Woher / Wohin gab es Tipps für den besten Weg, Einladungen zum Kaffe oder ähnliches. Das Austauschen von Emails ist absolut selbstverständlich und mir wurde geschrieben und natürlich auch geantwortet. In so manchem Ort wäre ich gern zum Austauschen ein wenig länger geblieben...!

Amerikanische Autofahrer habe ich als sehr rücksichtsvoll erlebt. Nicht aggressiv sondern oft zu vorsichtig. So fahren viele meinetwegen gefährlich auf die Gegenfahrbahn obwohl ich rechts auf dem fast 3 m breiten Randstreifen fahre. Dafür tun sie sich beim einparken schwer. Fast alle Parkplätze sind frauenfreundlich zum vorwärts einparken angelegt.

Nur einmal wurde ich gefragt, was für eine Waffe ich bei mir habe. Nicht ob ich eine hätte! Als ich ihm dann erklärte dass es nichts nutzt eine 45" er zu haben, wenn man damit nicht umgehen kann - ihm dieselbe im gleichen Moment abnahm und entladen wiedergab war er völlig neben sich. (Das gleiche Modell hatten wir in unserem Schützenverein, kann man blind bedienen). Ein Rest von Verstand zauberte ein Lachen in sein Gesicht und er bestellte zwei Bier. Ich traf eine ganze Reihe einfälltiger Amerikaner, das war einer davon. Mindestens ein weiterer treibt in Washington DC sein Unwesen - mit weltweiten, verheerenden Auswirkungen.

War ich schon in Toronto über die vielen Übergewichtigen entsetzt, hier erst Recht! Dieses Volk hat ein schweres Gewichtsproblem! Die Industrie und die Dienstleister tun aber auch alles damit es schlimmer wird. Alles muss im Auto erreichbar sein, möglichst ohne auszusteigen. Von normalen Mahlzeiten geht man hier fast vollkommen ab, man hat stets etwas ess- oder trinkbares (meist beides) in der Hand. Sind mir die großen Kaffeebecher schon zu riesig, vermehrt trinkt man hier unterwegs aus dem Mug, ein Thermobehälter groß wie ein Kinderbuddeleimer, mit Henkelgriff und ca. 1,5 Liter Inhalt. Esse auch ich reichlich, ich verbrauche auch einiges an Energie. Aber dieses bequeme Volk? Bloß nicht Treppen steigen oder gar zum Briefkasten laufen - der muss aus dem Auto geleert werden oder man fährt stilvoll mit dem Rasenmäher vor.

Viele der Amerikaner die ich unterwegs traf kamen kaum über ihren Ort oder Bezirk hinaus und wussten nicht annähernd wo Toronto liegt, Berlin war kein Begriff. Hätte ich denen erzählt von Berlin per Fahrrad hier zu sein, sie hätten es hingenommen. Aber sie dürfen wählen ohne zu wissen was oder wen. Glauben das freieste Volk in der besten Nation der Welt zu sein. Und sie stehen voll hinter ihren Truppen. Diese sind so fern der Heimat, verteidigen aber die amerikanischen Interessen und sind dazu natürlich im Recht. "God bless America and our troops!" Auf jeden Fall sind sie Weltmeister im verschmutzen der Umwelt dicht gefolgt von China, verbrauchen die meisten Ressourcen pro Kopf (vieles dabei sinnlos) und sind sich sicher das es zum Brötchen kaufen eines V-8 Motors braucht.

Es ist ein riesiges Land, traumhafte Natur, Landschaften und Städte. Und ich sah nur einen Bruchteil davon. Es per Fahrrad zu bereisen ist auf Grund der teilweise immensen Entfernungen nicht generell zu empfehlen. In Kombination mit Auto, Bus, Bahn und / oder mit sehr viel Zeit auf jeden Fall!

Meine Ausgaben waren, wie immer, etwas höher als kalkuliert. Ist doch fast überall so. Nur in der Politik kommt der Steuerzahler dafür auf, hier nicht. Von $ 12-- $15 pro Tag hat es mich durch ungeplante Hotelkosten in der Eiseskälte und Verlockungen für das leibliche Wohl sowie Eintrittsgeldern und Services auf ca. $ 31,00 katapultiert.

Für die Statistiker

Was gemessen?

Tatsächlich

Geplant war (bei Fahrtantritt)

Reisezeit gesamt 149 Tage ca.  5 Monate
Gefahrene Strecke mit dem Fahrrad (Tachoausfall) ca. 7.500 ca. 8.500
Gefahrene Strecke mit dem Bus (Greyhound) ca. 2.750 1.620
Strecken mit dem Flugzeug ca. 6.500 6.500
Umdrehungen am Vorderrad 3.658.536,58 (ungefähr jedenfalls) X
Tageskilometer im Durchschnitt ohne Bummeltage 72 X
Fahrzeit pro Tag im Durchschnitt 5-6 h aber auch nicht selten über 10 h X
Anzahl Hotelübernachtungen 12 15 - 20
Anzahl Übernachtungen in Privathaushalten / Einladungen 5 X
Geschlafene Nächte im Freien (Schlafsack  / Zelt) 136 110-130
Ja Gayla, da fehlen Nächte. Wo war ich da bloß?

Im Bus oder Flugzeug natürlich, oder bin durchgefahren
Funvideo, 1,8 MB WMV Datei)

X
Durchschnittsausgabe pro Tag in US-$
(inkl. kleiner Präsente, Eintrittsgeldern, Tickets und Services)
ca. $ 30-33 im Winter (Canada und USA)
ca. € 6,00 (Europa durch Ebbe in der Kasse)
$ 10 - 15
Mein Körpergewicht (Radler sind selten dick)
 
Bei der Ankunft in Europa 85 Kg
In Deutschland 84 KG
Bei der Abfahrt 89 Kg
Erlebnisfaktor sehr hoch plus sehr hoch

Ausblick

Was könnte die nächste Tour sein? Nach meiner ersten langen Tour "Berlin - Nordafrika (Marokko) mit dem Fahrrad und zurück"? Nach "Toronto nach Las Vegas; Toronto - Europa" wäre es ein Traum entweder von Dubai zurück nach Deutschland zu fahren oder je nach persönlicher Situation Alaska nach Feuerland. Berlin Kirkenes wäre auch reizvoll! Eine Frage der zur Verfügung stehenden Zeit und - klar - Finanzen.

ES wird fortgesetzt!

Aber Ideen sind vorhanden. Mal sehen.