Fotografie - Zeichnen mit Licht!
Nein, hier bin ich kein Markenfetischist. Die Kamera ist (m)ein Werkzeug. Das Bild macht erst einmal der Fotograf, es
entsteht als Idee im Kopf. Verschiedene Systeme waren schon in meinen
Händen und leisteten herstellerunabhängig sehr gute Arbeit.
Angefangen hatte es vor Jahrzehnten mit einer
Praktica MTL 5 aus Dresden und zwei Objektiven. Der unbezahlbare Traum war
damals die
Pentacon Six
in der TTL-Ausführung.
In den nächsten Jahren folgten analoge Kameras im Kleinbildformat wie die
Nikon F3.
Das Gehäuse, schwer und unverwüstlich wie ein
Panzer, war ein Vergnügen. Später folgten die Minolta Dynax 7000i und die
8000i. Zwei technisch sehr gute, aber empfindliche Kameras mit Autofocus.
Besonders die 8000i war eine Diva. In "Watte verpackt" begleitete sie mich
auf meiner Fahrradtour von Berlin nach Marrakesch. Sie überlebte - schwer
verletzt. Die Minolta 700si war technisch sehr gut, dennoch mit
Samthandschuhen anzufassen.
Die
G-Objektive hingegen sind einfach fantastisch. Das Sony diese übernommen hat
war ein cleverer Schachzug. An den Alpha-Tierchen von Sony bekommen diese Objektive nun ein neues
Leben.
Ein erster leidlicher Versuch in Richtung Mittelformat war
die Mamiya 645 Pro TL.
Nichts Halbes - nichts Ganzes. Größer als das Kleinbildformat, dennoch kein
richtiges Mittelformat.
So kam kurze Zeit später die "richtige"
Mamiya.
Wenn es auf große Abzüge
und absolute Schärfe ankam, setzte ich eine Mamiya RZ 67
Pro und die Pro II (Aufnahmeformat
6X7 cm auf Rollfilm) ein. Gerade einmal 10 Fotos passen auf einen 120er Film
- da überlegt man genau, stellt exakt ein, prüft den Aufnahmestandpunkt vor
dem Auslösen. Und dann kommt es - das Auslösegeräusch. Krawumm! Gänsehaut!
Was unterscheidet die Pro II von der Pro? Halbe Zeiten
einstellbar. Dazu der für
Nahaufnahmen sinnvolle Feinantrieb für den Balgenfokus an der linken Seite. Sonst sind sie beide
einfach eine Klasse für sich. Beide können mit diversen Digitalrückteilen versehen werden.
Bis zu 65
MP (!) von Phaseone sind machbar.
Die Rückbesinnung auf bewusste Fotografie
Meine
Mamiya 7/II war dagegen, obwohl im gleichen
Format (6X7), ein Leichtgewicht. Die Qualität über jeden Zweifel erhaben. Das
43er Objektiv war für Landschaften ein Traum. Nur reichten die Optiken nicht
an Portraitbrennweiten heran. Dazu ist es sehr teuer und aufwendig,
ausschließlich im Mittelformat und erst Recht mit zwei Systemen zu arbeiten.
Digitalkameras änderten vieles!
Das digitale Zeitalter sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden
Auge. Die Vorteile der sofortigen Bildbeurteilung, das schnellere und
vielfältigere Bearbeiten sind klare Vorteile. Auch ist die Bildqualität
mittlerweile akzeptabel, ja geradezu sehr gut geworden, wenn man die
professionellen Kameras zum Vergleich heran zieht.
Aber gerade Amateure neigen dazu, wild darauf
los zu knipsen und hunderte, ja tausende Fotos zu schießen. Immer in der
Hoffnung das schon einige was geworden sind. Es kostet ja (fast) nichts.
Diese Dummheit kann noch überboten werden, indem
die misslungenen Fotos in der Bildbearbeitung verschlimmbessert werden. Was
da hingebogen wird schaut, wenn überhaupt, auf dem Monitor passabel aus. Im
Ausdruck ist es der letzte Scheiß!
Das sind dann die Meister, die sich
in Foren und
Fotoplattformen mit dicken Copyrights wichtig nehmen oder machen.
Alles nur heiße Luft.
Den Ausflug zu den Profigehäusen von Olympus (E-1,
E-3) habe ich trotz
der erstklassigen Objektive von Zuiko, sehr zeitig beendet.
Wenig und
teures Zubehör, kleiner Sensor,
sehr kleine Pixel, zuviel Tiefenschärfe, erhebliches Bildrauschen, um nur einige der Schwachstellen
des Systems zu nennen.
Das ließ mich zu Canon wechseln.
Seit meiner Tätigkeit für die Ostseezeitung ist
die Kamera nun fast immer dabei.
Die 1D MK II N, Objektiv und Blitz
sind dafür fast zu schwer. Das Set zu benutzen hingegen ist eine wahre
Freude.
Man kann nicht alles haben.
Für sehr große Abzüge
oder Portraitaufnahmen mit höchsten Ansprüchen nutzte ich dennoch bevorzugt eine analoge Kamera mit hochauflösenden
Filmen wie dem Adox CMS 20 (Adox)
oder Fuji Velvia 50/100 Diafilm. Auch Schwarz-Weiß-Film höchster Qualität
macht die Portraitfotografie zum Erlebnis, zur Kunst.
Ein paar Tage auf die
Ergebnisse warten lohnt sich.
Kein Bildrauschen, hohe Dynamik, ohne Pixelzählerei, Qualitäten
an die eine digitale Kamera nur selten heran reicht.
Abzüge mit Seitenlängen von 2 Metern (!) sind mit dem Adox CMS 20
machbar. Und das aus dem Kleinbildnegativ. Das die Aufnahmen unverwackelt und exakt belichtet aufgenommen
wurden und das Labor erstklassig gearbeitet hat, ist Voraussetzung. Der Adox CMS 20 ist mit 800 Linien/mm der höchstauflösende Film weltweit!
Rein rechnerisch (theoretisch) ergibt das eine
Auflösung von über 553
MP!
(24mm x 800) x (36 x 800) =
19.200 x 28.800 = 552.960.000
Nun ist es aber
doch zu ende
mit der analogen Technik. So manches mal bedaure ich das. Die
Digitaltechnik verleitet immer mehr zum unüberlegten Knipsen. Es kostet
ja fast nichts. Ergebnis sind millionenfach miserable Fotos. Die Knipser
erwarten dann, die Technik war ja sooo teuer, positive Kommentare und
nicht selten werden die misslungenen Bilder als "Kunst" deklariert um
Diskussionen vorzubeugen. Einfach erbärmlich!
Das Bild macht der Fotograf, die Kamera ist nur das
Werkzeug. Für einige aber, die Theoretiker in den Foren, eine
Penisverlängerung. Was für haarsträubende Diskussionen werden um
Technik, Pixel, Linienpaare geführt. Nur die Bildergebnisse halten mit
dem ganzen Aufwand nicht mit.
Die eierlegende Wollmilchsau
gibt es nicht. Sony A900 ist aber nahe dran.
Handliches Kleinbild in Mittelformatauflösung mit einem erstklassigen Sortiment
an alten und neuen Objektiven. Ich wurde schwach. Und nun versuche ich
mich mal ansehnliche Bilder zu realisieren.
Ab jetzt
digital: Sony und Minolta