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Rest des Weges nach und durch Deutschland

24.5.06

Sturm, Wind, Regen im Wechsel. Auf einen Feldweg einfach in Richtung Süden gefahren. Und dann, plötzlich ein Ortsschild: "Vetschau, Stadt Aachen" - Deutschland. Sollte doch noch gar nicht sein! Egal, durch Aachen weiter nach Südost und nun über Bad Neuenahr in Richtung Bodensee. Dort wieder starten. Nicht mit der Fortsetzung der Tour. Nicht mit einer neuen Tour. Start eines wieder "normalen" Lebens. Abschied vom Reisen, vom (sehr) freien Leben nehmen. Und mich an die gefrusteten Deutschen wieder gewöhnen macht gar keinen Spass. War man längere Zeit weg merkt man das besonders deutlich, lange Gesichter, ständig wird man angeschnauzt.

Beispiel:
In Toronto fuhr ich meistens im Schritttempo auf dem Fussweg. Allein schon um die vielen Autos nicht zu behindern und auch dem Hund wegen. Kanadier, standen sie mir auf dem Bürgersteig im Weg gehen freundlich zur Seite, lassen dich durch. Sehen sie dich nicht rechtzeitig entschuldigen sie sich!!!

Anders in Deutschland. Breiter Fussweg (z. B. Mannheim am Paradeplatz) und andauernd grölt man mir nach: "Das ist kein Radweg!" Als wüßte ich das nicht. Ist aber kein Mannheimer Problem sondern passiert natürlich überall in Deutschland.

In der Innenstadt von Aachen West ins Internet, Email checken und ins Konto schauen: Immer noch kein Eingang. Insgesamt über € 3.300 stehen aus! Es ist überfällig, das Bare geht aus. Nein, es ist aus! Von den letzten ca. € 6,00 Brot, Margarine, Milch und reichlich Hundefutter bei Aldi gekauft. Fahre und lebe nun schon seit 2 Wochen auf Sparflamme, aber nun wird es sehr eng. Die Kreditkarte hat für die Tickets noch funktioniert, mehr geht nicht.

Just in dem Moment werde ich von Willi, einem obdachlosen Radler angesprochen. Ein paar Fragen zum Anhänger und der Tour. Er war auch schon weit innerhalb Europas unterwegs. Als er meine Situation mitbekommt lädt er mich zum Essen ein: "Wenn du schon meine 20 Euro nicht annimmst, zum Essen einladen kann ich dich. Ich bekomme doch jeden Monat meine Stütze!" sagte er und wir fuhren um 2 Ecken zu einer Versorgungsstelle für Obdachlose. Irgendein e. V., und ich war sehr erstaunt:

Alles blitzsauber, Toiletten, Duschen top. Die Küche ließ sich auch nicht lumpen, meine erste warme Mahlzeit seit 14 Tagen. Es gab Mischgemüse, Bratwurst und Quetschkaroffeln. Pudding oder Banane zur Nachtischwahl.

 

28.5.06

Ein Wunder, der zweite Sonnentag seit ich in Europa bin. Den Westerwald durchquert, Limburg liegt hinter mir, Bad Neuenahr auch. Beides richtig schöne, alte Städtchen. Viele und gute Radwege und an jeder Ecke riecht es lecker. Bewölkt und immer mal wieder Regen der in den Nächten zu Wolkenbrüchen anstieg. Als ich am Springbrunnen sitze und warte das mein Notebook beim Frisör fertig ist, kommt eine ältere Dame auf mich zu, steckt mir € 10 zu und sagt: "Mir geht es endlich wieder gesundheitlich besser, es soll euch auch besser gehen. Geht einen Kaffee trinken." Kaffe ließ ich weg, anderes war nötiger. Hunger stillen und Hundefutter für Felix!

Was macht ein Notebook beim Frisör? Da ich nicht in ein Cafe gehen und irgendetwas bestellen konnte, so lud ich bislang mein Notebook auf, gab ich es bei einem Frisör zu diesem Zweck ab. So hatte ich 1,5 Std. Zeit für einen Stadtbummel während es seine Batterien auflud.

29.5.06

Heute einen Umweg gemacht. Statt auf der B 3 nach Süden fuhr ich über die Felder und sehr schlecht beschrifteten Radwegen nach Mannheim. Nicht nur die Radwege sind schlecht beschildert, nein, auch die Bundesstrassen sind alle Nase lang für Radfahrer gesperrt. Für die laut Routenplan 18 Kilometer habe ich doch über 3 (drei) Stunden benötigt.

Warum der Umweg? Der Käufer (Ebäh) meines Anhängers wohnt hier und so habe ich direkt geliefert. Endlich, es knistert wieder ein klein wenig in der Börse. Nun noch das Rad verkaufen bzw. den erfolgten Verkauf zum Abschluss bringen und dann geht es per Bahn oder Bus zum Bodensee.

Ach ja, eigentlich überflüssig zu erwähnen, es gießt wieder wie aus Kannen!

Mannheim, schon lange nicht mehr so viel UND so gut gegessen. Die Innenstadt ist in Planquadrate eingeteilt. Im Quadrat C 3 fand ich einen Laden "Mark und Pfennig", der Laden für Leute die rechnen müssen. Siehe Fotos, sehr günstig eingekauft. Dann gratis dazu Obst, Gemüse und die Information über kostenlose bzw. billige Verpflegungsstellen für Obdachlose und sozial Schwache bekommen. Dort, wenige Minuten entfernt, für € 1,80 ein Dreigänge Menu gegessen. Keine Reste oder ähnliches, nein hier wird man von der BASF bekocht. Richtig gut. Du bist in Mannheim und hungrig? Hier wird dir geholfen:

"Mark und Pfennig"
C 3 / 5-6
68159 Mannheim
Tel. 0621-15993-46 (Angelika Götz)

Briefkasten in Bad Neuenahr
Kinderstadt von Kindern für Kinder, erschreckend, das erste Gebäude ist gleich das Arbeitsamt!
"Mark und Pfennig" Der Laden für Leute die rechnen müssen
Fremdenführer in Barock, am Schloss Mannheim
An der Schloss Mensa

Aber das Notebook muckt auf, vor vielen Monaten mal runter gefallen und leicht gebrochen, nun muss es richtig repariert werden. Kann gemacht werden, aber durch Pfingsten erst am Dienstag. Der Kleber muss aushärten, Abholung am Mittwoch. Das heißt bis Mittwoch oder Donnerstag auf jeden Fall noch hier.

Wenn das Wetter mitspielt können das schöne Pfingsten werden, die Stadt bietet nicht so viel aber die Umgebung schon. Aber heute, 1. Juni, regnet es, dann kurz Sonnenschein und stets kühl und windig.

Der Fahrradkäufer hat den dritten Abholtermin platzen lassen obwohl alles nach seinem Wunsch organisiert war. Ein Idiot. Er kaufte für € 1.360 das Rad und wollte unbedingt abholen! Fall liegt jetzt beim Anwalt, Klage auf Vertragserfüllung.

So fahre ich entweder am Mittwoch oder Donnerstag weiter (mitsamt dem Rad in der Bahn) oder bleibe in Mannheim und starte durch. Mal sehen. Nun ist erst einmal Pfingsten.

2.6.06

Sonne! Bewölkt, aber etwas Sonne schaut durch! Herrlich. Und ein gutes Lager am Rhein gefunden. Duschen und Versorgung in der Nähe. Cafe mit Internet gibt es auch, sogar mehrere in der Stadt.

Nur der "Käufer" meines Rades nervt, denke es ist ein Vollidiot. Nervt mit sich widersprechenden Emails. Soll sich an meinen Anwalt wenden. Oder zahlen und sich glücklich fühlen.

Lieber Peter Graf, (nicht der von der Steffi sondern der aus dem Talweg in 97076 Würzburg) wir müssen uns doch nicht streiten. Ein Rechtsstreit, egal wer diesen gewinnt, ist für alle Beteiligten ein Nachteil. Gewinner sind die Staatskasse und die Anwälte - nur die!

11.6.06

Nach dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Costa Rica schaue ich nun Mexiko gegen Iran. Bin immer noch in Mannheim und werde es noch ein Weilchen in dieser eher langweiligen Stadt aushalten. Damit kann diese Radtour an dieser Stelle als beendet betrachtet werden.

Allen Besuchern meinen Dank für das Interesse, schaut ab und zu mal wieder rein. Es tut sich bestimmt wieder einiges.

Jetzt bleibt nur noch das Fazit der Tour und von neuen Abenteuern zu träumen oder besser zu planen!

 

 

 

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